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Re: Typisch deutsch

Autor: "Margit Suess"

Andreas Kemmer wrote:

[WDR-Bigband]
> Tja, was soll ich jetzt dazu sagen? Was sagt man über die
> beste Bigband der Welt?

*g*

> Leitung:
> Bill Dobbins: Amerikaner

ich dachte, er ist mittlerweile Ex-Leiter?!

[internationale Besetzung]
> Fazit: 10 Gastarbeiter und 8 Heimwerker :-) Da erledigt sich die
> Frage fast von selbst, oder?

ja ;-)

schoen, dass wir ansonsten die gleiche Meinung ueber die gleiche
Lieblingsbigband haben *g*

liebe Gruesse, Margit, immer noch auf das Projekt "Bigband und
Streicher" von Paul Shigihara wartend



Re: Typisch deutsch

Autor: Musik



Re: Typisch deutsch

Autor: Andreas Kemmer

"Margit Suess" meinte:

>> Leitung:
>> Bill Dobbins: Amerikaner
>
>ich dachte, er ist mittlerweile Ex-Leiter?!

Ich bin da nicht ganz auf dem laufenden. Hab gerade mal nachgeschaut:
Auf der WDR Seite wird er noch als Leiter geführt.

http://www.wdr.de/radio/orchester/big band/de/dobbins.html

Andreas



Re: Typisch deutsch

Autor: Harald Schollmeyer

Hallo Andreas,

Andreas Kemmer schrieb:
> >Von größerem Interesse finde ich die Frage, wie man musikalische
> >Sozialisation in dieser unseren Gesellschaft entwickeln und verbessern
> >kann.
> Einverstanden. Also was kann man tun?

...man...? Wer, Eltern/Lehrer/Schüler?

(1) Eltern: den Kindern musikalische Möglichkeiten eröffnen, wo es nur geht.
Und auch Möglichkeiten eröffnen, die man vielleicht nie selbst gewählt hätte.
Also: Veranstaltungen aller Art besuchen, Ballett, Hardrock-Konzert,
Klanginstallationen, Folkmusik-Festival, Jazz-Jam-Session, Sinfoniekonzert,
Musikantenstadel besuchen... Alles, was die Kritikfähigkeit fördert und das
Urteilsvermögen schärft.

(2) Lehrer: eigene kulturelle Prägungen erkennen, bewußt mit ihnen umgehen
und die Defizite ausgleichen. Das bedeutet: Musikunterricht darf wesentlich
durch die Stärken der Lehrkraft geprägt werden, allerdings dürfen die
Schwächen der Lehrkraft nicht zu Defiziten im Unterricht werden.
Natürlich muß man von Seiten der Schulleitung überhaupt erst mal die
Gelegenheit zum Musikunterricht bekommen, aber dann muß man sie im
Interesse der Schüler nutzen. Ich hab da aber gut reden: weil das durchaus
ein Kampf gegen Windmühlen ist, habe ich nach dem Schulmusikstudium den
Beruf nicht ergriffen, sondern unterrichte an Musikschulen. Ich habe also
mit Schülern zu tun, die sich tendenziell ehr schon freiwillig entschieden
haben, sich mit Musik näher zu befassen. Allgemeinschulische Lehrer brauchen
da ein dickes Fell, gute Nerven und idealerweise pädagogische und
künstlerische Genialität.

(3) Schüler: Augen und Ohren offenhalten. Schüler lassen sich meiner
Beobachtung zu schwer und zu selten von Musik faszinieren - Phantasie beim
Hören und Erleben von Musik ist selten geworden. Schüler sollten bereit
sein, eine gewisse Anstrengung auf sich zu nehmen, um einen künstlerischen
Gegenstand rational zu erfassen. Dabei dann noch Assoziationen und
Emotionalität auf der Basis des eigenen Lebens zuzulassen und den
Gegenstand damit zu konfrontieren ist sehr sehr schwierig. Da würde ich
mir von vielen Schülern mehr Offenheit und Lust am Denken wünschen.
Aber das sind wiederum Fähigkeiten, die die Eltern vorleben müssen.

> 1. Musikunterricht in der Schule:
> [...]
> 2. Musikschule oder Privatunterricht:
> [...]

Da beschreibst du Mißstände, die so oder ähnlich überall existieren.
Ihre Existenz hat natürlich Gründe und sie sollten dringend behoben werden,
aber dem stehen viele, viele (schul)politische Sachzwänge entgegen.

> In diesem unserem Lande besteht die Gefahr, dass ein Grossteil unserer
> Kinder aufwächst ohne jemals, oder wenn überhaupt mal in einem
> Nebensatz, etwas von Telemann, Bach, Mozart, Bruckner, Wagner, Mahler,
> Berg, Henze oder Stockhausen gehört zu haben.

Das ist ja bereits seit Jahr(zehnt)en Realität. Viele aus dieser Gruppe sind
mittlerweile selbst Eltern - deren Kinder werden dann auch mit Sicherheit
nicht zu Klassik-Fans im Elternhaus. Muß ja auch nicht sein, aber zumindest
eine grundlegende künstlerische Urteilsfähigkeit und ein
kulturell-historisches Verständnis sollte Kindern ja schon mitgegeben werden
(ich denke, darauf wolltest du hinaus, nicht alleine auf die Kenntnis der
Komponisten). Das Risiko existiert durchaus, daß wesentliche Teile der
historischen Musikkulturen ausgeblendet werden und dadurch aus der
kulturellen Realität verschwinden. Da kann man Gegenarbeiten - wie, habe ich
oben für die einzelnen Beteiligten (Eltern, Lehrer, Schüler) angedeutet.

> Auch die Eltern können da mittlerweile nicht mehr, wie bspw. noch
> meine Eltern, weiterhelfen, da sie oft genau die gleiche "Bildung"
> genossen haben wie sie ihre Kinder heute erhalten.

Ja, genau. Die kulturelle Realität reproduziert sich.

> Als Eltern hat man ja ansonsten kaum noch eine Chance gegen
> MTV und Viva anzustinken.

Wenn man das versucht, natürlich nicht. Man muß halt MTV und Viva dazu
verwenden, höhere Ziele als das passive Konsumieren zu erreichen.
Schon mal einen Song nachgesungen, der da lief? Eine Choreographie
nachgetanzt? Mal verglichen, was wohl das Gemeinsame und das Besondere
zwischen drei/vier Clips ist? Mal Bild und Ton von zwei Clips im Rechner
vertauscht und geschaut, ob/warum das jetzt ästhetisch nicht zusammenpasst?
Mal versucht, das Typische des Britney-Spears-Sounds zu benennen?
Da gibts schon ein paar Möglichkeiten, aus den Clips was zu lernen.
Eigentlich sollten wir *dankbar* sein, daß es sowas überhaupt gibt und
daß Musik heutzutage überhaupt noch so bedeutend ist, daß es zwei
dezidierte Fernsehsender für Musikclips gibt!

Harald



Re: Typisch deutsch

Autor: Oliver Ding

"Peter Berlau" schrieb:
> * Lukas Heinser [Tue, 24 Jun 2003 16:53:23 +0200] schrieb:
>>
>> Neuer Trend: Klatschen auf 1, 2, 3 und 4.
>
> und was ist mit den offbeats?

Mit genügend Übung trifft eine Gruppe auch noch die vertrackteste Lücke
zwischen den Takten.

»Socke«
--
Bloß die unbedeutende Meinung einer Socke... ;-)
home: http://www.sockenseite.de/ <---> music: http://www.plattentests.de/
Allgemeine Musiknewsgruppen-FAQ: http://www.sockenseite.de/music-faq.html
de.rec.musik.recherche-FAQ: http://www.sockenseite.de/recherche-faq.html



Re: Typisch deutsch

Autor: Andreas Kemmer

"Margit Suess" meinte:

>Dann interessiert mich in dem Zusammenhang deine Meinung ueber die
>WDR-Bigband sehr. Also, was haeltst du unter dem Gesichtspunkt von
>dieser Bigband?

Gerade vergessen:

Falls bei irgendjemandem Zweifel an der Qualität der WDR-Bigband
bestehen sollten empfehle ich die Aufnahme der Pavane von Ravel mit
eben diesem Ensemble.

CD: Sketches
Arrangemend: Vince Mendoza
Solo: Charlie Mariano, alto sax
Solo: Dave Liebman, soprano sax

Mir laufen dabei in regelmässigen Abständen kalte Schauer über den
Rücken.

Andreas



Re: Typisch deutsch

Autor: Lutz Bojasch

hans kitschenberg schrieb:
>>Natürlich gibt es typisch Deutsche Eigenarten. Da ist nichts
>>verwerfliches dran oder? (ausser bei Swing und auch bei 11/16tel stur
>>auf "1 und 3" zu klatschen ;)
>>Gruß Lutz
>
> Was sind denn das für welche? und wieso muß man bei 11/16 klatschen? und
> wenn, wo?

Hallo
nee, also keine sozialstudien hier in der NG, dafür gibts andere
Gruppen. Ich wollte nur kurz bemerken, dass es keineswegs peinlich sein
muss wenn man als Völkchen verschiedene, typische Verhaltensmuster zeigt
- das ist mit allen anderen Völkern der Welt auch so.
Zum Klatschen: Es gibt immer Leute die irgendwie geistig abwesend
sind und mit blödem Blick vor sich hin klatschen, da wirkt dann der
Gruppenzwang - mit musikalischem Empfinden hat das nichts mehr zu tun.
Mit den 11/16. war vielleicht übertrieben, die Leute würden sowas
vielleicht als "Negermusik" abtun und das Weite suchen ;)
Gruß Lutz



Re: Typisch deutsch

Autor: "Thomas Wiedemeier"

.......
> In diesem unserem Lande besteht die Gefahr, dass ein Grossteil unserer
> Kinder aufwächst ohne jemals, oder wenn überhaupt mal in einem
> Nebensatz, etwas von Telemann, Bach, Mozart, Bruckner, Wagner, Mahler,
> Berg, Henze oder Stockhausen gehört zu haben.

Sind ja auch typisch deutsche musiker......
Und die Amerikaner sind ja eigentlich viel besser.
Also: MTV und ViVa servieren und gut is.

SSCNR

Thomas Wiedemeier



Re: Typisch deutsch

Autor: "Margit Suess"

Lutz Bojasch wrote:

> das kannst Du dort doch schon bei den Straßenmusikern sehen,
> viele von denen sind wesenstlich besser, zumindest musikalischer
> wie bei uns Musiker die auf Bühnen stehen ;)

Das kann dir aber auch bei Strassenmusikern aus dem Ostblock in
Deutschlands Fussgaengerzonen passieren.

Gruss, Margit



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