Re: Spielen fürs Publikum?
"Werner \"Soulmatic\" Hammer" schrieb:
> "Andreas Jaeger" schrieb
> > Auch wenns hart klingt: Musik ohne Publikum ist tot.
> >
> > Wenn ich fuer mich selber musizieren will kann ich das wunderbar
> > und so oft ich will daheim. Ich kann auch mit den Jungs im
> > Proberaum spielen um fuer mich diesen Bandsound zu haben. Alles
> > wunderbar. Aber wenn ich auftrete, also mich einem Publikum
> > stelle, und dann nicht zuerst ans Publikum denke - warum trete ich
> > dann auf? Wozu will ich dann ein Publikum dahaben? Damit sie mich
> > vergoettern, bewundern und verehren fuer meine Egoshow? (Nein -
> > das war keine Unterstellung sondern ganz allgemein gesprochen)
>
> Von meinem Standpunkt: um mich mit dem Publikum zu unterhalten.
> Dies in der doppelten Bedeutung des Wortes.
> Als Künstler teilt man sich dem Publikum mit. Man hat im
> musikalischen Sinne etwas zu sagen.
Das ist Deine Sicht :) Die meisten Konzertbesucher gehen allerdings
meist nicht auf ein Konzert um sich "was sagen zu lassen" sondern um
einen schoenen Abend zu haben. Egal ob irgendeine Form von "Party"
oder
eher was "fuer den Geist".
> Und das Publikum sagt einem auch etwas (z.B. in Form von tief
> fliegenden Tomaten, Bierflaschen oder ähnlichem :)
Dann kann man nur hoffen, dass die Tomaten gut und die Bierflaschen noch
voll sind (und einen selbst verfehlen) ;)
Aber mal ehrlich unter uns - man wuenscht sich doch bejubelt zu werden
und auf eine Art Podest gestellt zu werden, oder? Gebts doch zu ;)
> Nach meinen Erfahrungen waren die Konzerte immer am
> besten, wo wir am ehrlichsten zu uns selbst und dem Publikum waren.
> Ärgert man sich über etwas (ja, auch z.B. über den
vermeintlichen
> schlechten eigenen Sound), so wird das Publikum es spüren.
Zweifelsohne. Nur ist eben hier der Unterschied zu suchen zwischen (ich
formuliere es mal so hart) Leute mit professioneller Einstellung
(muessen nicht immer deckungsgleich sein mit den "Profis") und Leute
mit
eher amateurhafter Einstellung. Wozu soll man sich aufregen ueber einen
schlechten Sound? Das verdirbt einem die Laune, nimmt die Motivation,
raubt die Konzentration.
Ich habe noch niemals eine Situation gehabt (auch bei den miesesten Gigs
nicht) in der ich mich nicht mehr gehoert habe. Ich habe sehr oft
Situationen gehabt in denen ich mich nicht ganz so gut hoerte oder wo
ich mich auf bestimmte Buehnenbereiche beschraenken musste um micht
einigermassen zu hoeren. Und ueberraschenderweise war ein Gig an dem ich
mir gesagt habe "Na und?" meist um Welten besser als die, bei denen
ich
mich aufgeregt und beschwert habe ;)
Ich habe halt recht viele Bands erlebt die schon gleich laut zu quaken
anfangen wenn sie bei nem Festival nicht links vom Drummer sondern aus
technischen Gruenden eben mal rechts von ihm stehen sollten. Und wenn
der Gitarrist nicht ueberall auf der Buehne seine Gitarre gleich laut
gehoert hat und der Keyboarder nicht seine grillenden Spezialsounds
durch den Keyboardmonitor auch gleich noch dem Drummer durchs Hirn
pfeiffen konnte gab es Aerger, Rabatz und Stress und der Abend war fuer
fast alle gelaufen...
Man muss halt auch mal mit widrigen Umstaenden leben koennen, sich nicht
sofort ueber Kleinigkeiten aufregen und egal was passiert, relaxed und
konstruktiv rangehen :) Ich weiss - das klingt nach rockenden Zen-
Moenchen ^^;;;
> Und die
> Frage ist dann halt auch, ob man wirklich ein so guter Schauspieler
> ist, dies zu überdecken... Gerade dann, wenn man FÜR das
Publikum
> spielt, muß man sich selbst in einer einigermassen guten mentalen
> Konstitution befinden.
Wenn man sich nicht mehr aufregt eruebrigt sich die Frage nach der
Schauspielerei komplett :)
Mentale Konstitution kann man auch trainieren.
> Weshalb trennten/ und trennen sich denn so
> viele gute "profi"-Bands? Wenns nur um die Profession ginge,
wäre
> es doch über Geld leicht zu regeln. Es menschelt halt so wie an
> keiner andern Stelle wie auf der Bühne...
Oftmals sinds verschiedene Faktoren. In Profi-Bands hat man oftmals
einfach mehrere immens grosse Egos, die unter einen Hut zu bringen sind.
Solange es mal einen Lauf hat gehts. Aber wenn der erste Schwung
nachlaesst kanns anfangen zu kriseln.
Weiterhin gehen sehr viele Bands in Freundschaft auseinander weil es
nach 15 Jahren gemeinsamem Musizieren nun "langweilig" wird oder
einfach
die Chemie nicht mehr da ist oder weil die Leute sich eben
unterschiedlich entwickelten.
> Die Stichworte sind ja
> auch schon gefallen: Respekt, Kommunikation klärende Gespräche
> möglichst kein Aufschneiden - das macht das Leben, zumal im
> Bühnenbereich leichter :)
Full ACK ^ ^ (plus Erweiterung auf "ganzes Leben")
Andreas
--
www.silent-lucidity.de / www.funkyflow.de
prog / cover
Re: Spielen fürs Publikum?
Re: Spielen fürs Publikum?
"Emil Sauber" schrieb:
> > Welche Erfahrunen habt ihr zu diesem Thema gemacht?
>
> Naja, ich habe oft die Erfahrung gemacht, dass sich die Mischer wohl
> gekränkt fühlen, wenn man ankommt: "Hey, so hat das keinen
Sinn, ich
> brauch mehr Bass auf meinem Monitor" oder "hey, ich hör
mich nicht!"
> Gitarre bitte leiser".
"Hey!" ist ein schlechter Anfang dieser vermutlich neutral gemeinten
Saetze ;) "So macht das keinen Sinn" ist ein ziemlich direktes
Absprechen der Faehigkeit des Mischers sich irgendwas dabei zu denken.
"Ich hoer mich nicht" finde ich bei den auf der Buehne ueblichen
Lautstaerken ziemlich witzig ;)
Aber "bitte" ist immer gut :)
Ich habe (wenn auch nur kurz und auf niederer Ebene) auch mal eine Weile
Bands gemischt und ich kann Dir sagen, dass der Umgangston mancher Band
einem Mischer der heute mal nicht seine 2 Stunden Meditation gemacht hat
schon mal die Adern auf der Stirn schwellen lassen kann... Es ist hart
zu ertragen wenn der Drummer meint "Hey Mischer - mein Set klingt
scheisse ueber Deine Anlage. Lies doch lieber erst mal die
Bedienungsanleitung von Deinem Scheiss und lass mal unseren Gitarristen
ran, der hat mehr Ahnung als Du" und man genau hoert dass das Problem
daran liegt, dass seine Drums ueberhaupt nicht gestimmt sind. Und man
dann fragt "Hast Du Deine Drums gestimmt?" und er antwortet
"Mwuuhahahaha! Der Witz ist ja soooo alt.... Drums stimmen - hahahaha -
in welcher Tonart?".... - -
> Irgdenwie war der Sound im allgemeinen nach solchen Beanstandungen
> immer schlechter als davor! jemand hat zu mir mal gemeint, man soll
> die Mischer lieber in Ruhe lassen, denn wenn man meckert, machen
> sies nur absichtlich schlechter.
"So wies in den Wald reinruft..."
Aber es stimmt - es gibt Mischer, die weder Ahnung haben, noch die
Absicht daran was zu aendern. Und kommt man ihnen mit gut gemeinten
Vorschlaegen dann zicken sie rum. Sind eben oft auch keine heiligeren
Leute als die Musiker selber ;)
Andreas
--
www.silent-lucidity.de / www.funkyflow.de
prog / cover
Re: Spielen fürs Publikum?
Matthias Mees wrote in news:cn96t-696.ln1@ID-
117816.user.dfncis.de:
> Bass ist *nie* zu laut!!1
Fast.... Letztes Jahr haben wir hier in so ner Halle gespielt, da waren die
Subwoofer unter der Bühne dermassen am dröhnen, dass ich meinen Amp
auf der
Bühne komplett abgestellt habe. Fürchterlicher Lärm, grottiger
Sound, ich
hab mich immer noch viel zu laut gehört.....
- Ulli -
--
Sunburn In Cyprus - ElectricDancePop
Find our music at http://www.besonic.com/sic
Homepage at http://sic.surmusic.org
Re: Spielen fürs Publikum?
Erhard Schwenk wrote:
> > Ick vasteh eh nicht, barum man in
> > einem höchstens-200-Leute-Club 4x10er plus 1x15er braucht.
>
> Dahinter kann nur die Absicht, so viele Phasenverschiebungen wie
möglich
> zu erzeugen, stehen.
Hihi, das werde ich ihm mal mitteilen.
Martin
--
Weltherrscher zu detebe www.ganzabnormal.de .--.
(CddF)
ART Topfenstrudel 1703 -- Ich war dabei! -- °--°
Ein einmaliges Erlebnis!
Re: Spielen fürs Publikum?
Matthias Warkus wrote:
>Ich könnte mir das nicht vorstellen, klassische oder Funk-Sachen mit
>Kopfwehklick im Ohr spielen zu müssen.
Alles eine Frage der Übung.
Gruß
--
Hubert Barth
http://www.bigbands.de
Re: Spielen fürs Publikum?
Matthias Warkus wrote:
>> >> einen Mix aus Stereo-Summe, Ticker und seinem Aux-Kanal
für das
>> > ^^^^^^
>> > Was darf ich mir darunter denn vorstellen? Spielt ihr live mit
>> > Clicktrack? *grusel*
>> Mit Metronom, ja. Es erhöht die Qualität.
> Wie grooveorientiert ist eure Musik?
Pop-Rock halt.
> Ich könnte mir das nicht vorstellen
Alles eine Gewöhnungsfrage.
> Kopfwehklick im Ohr
Wir verwenden den Yamaha RY-9, der hat einen recht angenehmen Click.
Weil man ja sonst bekloppt werden würde...
--
mail: adi@thur.de http://adi.thur.de PGP: v2-key via keyserver
Wo ein guter Gag ist, kann auch die Gage nicht weit sein.
Re: Spielen fürs Publikum?
On Mon, 30 Jun 2003 18:23:11 +0200, Werner "Soulmatic" Hammer wrote:
> War es gut, war es die Band, war es schlecht war es auch die Band.
> Es ist fast unmöglich eine gut klingende Band völlig klanglich
zu
> "vermischen".
Och, sag das nicht.
Wir haben mal bei einem Straßenfestgig auf einer wirklich sehr
großen Bühne
(alles vom Feinsten, ca. 12 Monitore auf der Bühne, Großes Zelt mit
Riesenmixer mit 3 wichtigen Leuten dahinter) gespielt. Da hatten wir
unseren eigenen Mann am (kleineren 12-Kanal) Mischer mit dabei, der hat die
Instrumente gemixt und der Gesang ging über die gestellte Groß-PA
(weil da
halt schon die Mikros standen und man für einen recht kurzen Gig nicht
alles umbauen wollte). Die Summe der Instrumente ging dann von unserem
Mischer an den riesen-Mischer des Veranstalters. Ergo konnte unser Mann
zwar die Instrumente untereinander mischen, nicht aber das Verhältnis zum
Gesang - was auch normalerweise kein Problem sein sollte, denn an der
Veranstalter-PA standen ja die drei Mann die sich darum kümmern konnten.
Leider war der Sound sowas von bescheiden - die Instrumente waren viel zu
leise (und trotzdem angezerrt), der Gesang entsprechend so laut daß die
Leute aus den vorderen Reihen geflüchtet sind.
Nach dem Gig kam dann raus was falsch gelaufen war - die PA-Hanseln hatten
unsere Instrumentensumme in zwei Mikrokanäle gestöpselt, wo sie
natürlich
völlig übersteuert haben. Und haben dann die Musik so lange
runtergedreht
bis es nicht mehr zerrte. Aber das hat unser eigener Mischer erst hinterher
rausgefunden - wie auch, wenn man da so ein Monster mit 64 Kanälen stehen
hat und lauter wichtige Leute mit wichtigen T-Shirts, die es eigentlich
wissen müßten. Und da läßt man sich als "kleine
Band" schon mal gerne von
einschüchtern.
Wenn man zumindest noch eigene Amps und ein reales Drumset auf der Bühne
hat gehts ja noch - aber in dem Fall das leider nicht so (E-Drum,
Keyboards, Gitarren über POD, Baß nur über DI-Box).
Viele Grüße,
Frank
Re: Spielen fürs Publikum?
On Sat, 28 Jun 2003 16:17:50 +0200, Werner "Soulmatic" Hammer wrote:
>> NACK. Die Akustik auf ner Bühne ist zwangsläufig(!) deutlich
anders
>> als im Probenraum, und dies a) zu kapieren und b) sich entsprechend
>> drauf einzustellen gehört IMHO zur professionellen Einstellung
einer
>> Band.
>
> Warum ist die Akustik auf einer Bühne deutlich anders wie im
Proberaum?
> Wenn die Band in einem einigermassen großen Raum probt, ich denke so
ab 6x6
> Meter, so ändert sich die Akustik auf der Bühne eigentlich nur
durch das
> nichtvorhandensein einer Wand.
Die Lautstärke dürfte anders sein, es sei denn Ihr probt sehr laut.
Und die
steigert sich je nach Anlage eben nicht unbedingt linear, d.H. wenn die
Instrumente untereinander im Probenraum "richtig" abgemischt sind und
man
später auf der Bühne den "Master" höher zieht kann das
ganze schon mal
kippen, dann muß nachjustiert werden.
Außerdem gibt es auch oft Bühnen die ein gewisses
"Eigenleben" haben, wenn
ich da an solche Holzbühnen denke die irgendwann an zu wummern fangen wenn
die Eigenresonanzfrequenz (heißt das so?) getroffen wurde.
Viele Grüße,
Frank